DEUTSCH-RUMÄNISCHE GESELLSCHAFT e.V.
STUDIENREISE V. /20. 8.-3.9. 2005

FOTOGALERIE

REISEBERICHT

„Erkundungen im Norden und Nordosten Rumäniens“ bildeten das Programm der V. Studienreise der DRG Berlin, die vom 20. 8. (Samstag) bis zum 3.9. 2005 (Samstag) stattfand . Am frühen Morgen begann die Reise in Berlin – Tegel und nach 90 – minütigem Flug trafen die 10 Teilnehmer aus Berlin dann in Budapest auf Christof Kaiser (Reiseleitung) sowie Wolfram Höfgen, Dresden (technische Organisation), und den Fahrer Hr. Ilie mit dem „nicht mehr ganz neuen Bus“ aus Sibiu. Mit dem Beginn der Reise im Osten Ungarns sollten einzelne der vielschichtigen grenz-überschreitenden Interferenzen zum Nordosten Rumäniens aufgezeigt werden.

Synagoge Carei

Von Budapest ging die Reise Richtung Osten, durch den Nationalpark Hortobagy – Puszta, wo wir wegen Überfüllung leider nicht anhalten konnten. Am Nachmittag schauten wir uns das Zentrum der Großstadt Debrecen (207.000 Einwohner, Ew. / 2002) an, warfen einen Blick ins prächtige Hotel Aranybika und besichtigten die reformierte klassizistische Großkirche (Naygtemplom). Aufgrund des ungarischen Nationalfeiertages (St. Stephanstag) war die Stadt sehr stark besucht. Abends erreichten wir Nyiregyháza (117.000 Ew. / 2002), die östlichste Großstadt Ungarns. Etwas sahen wir noch vom Feuerwerk anlässlich des Nationalfeiertages. Am kommenden Morgen sahen wir uns das Stadtzentrum mit aufwendig sanierten Verwaltungs- und Prachtbauten, Kirchen, großen Plätzen, Fußgängerzone und historischen Denkmälern an. Die Komitatsverwaltung und das Rathaus sind in besonders prächtigen Gebäuden untergebracht. In Nagykállo hielten wir beim großen ehemaligen Komitatshaus sowie der reformierten Kirche, die an der Stelle einer ehemaligen Burg steht. Der bedeutendste Marienwallfahrtsort ist Máriapócs, der auch viele katholische und unierte Gläubige aus Rumänien und der Ukraine anzieht und traditionell auch ein wichtiger Wallfahrtsort der Roma ist. Wir besuchten Kirche und Kloster dort. Máriapócs ist eines der Hauptzentren der etwa 270.000 (in 2001) griechisch – katholischen (mit Rom unierten) Gläubigen Ungarns; in Rumänien gibt es etwa 230.000 griechische Katholiken. In Nyirbátor besichtigten wir ein herausragendes Monument spätgotischer Baukunst Ungarns: die überraschend große St. Georgskirche (erbaut 1484 – 88). Darin befindet sich auch das Grab und die Grabplatte mit der Abbildung des Stifters der Kirche, dem damaligen Woiwoden Siebenbürgens, István Báthori I. (Woiwode 1479 – 93). Neben der Kirche steht der große hölzerne Glockenturm.

Die freudig erwartete Einreise nach Rumänien fand am Grenzübergang Vállaj – Urziceni statt. Wir durchfuhren mit Urziceni ein seit Jahrzehnten zumindest optisch wenig verändertes Schwabendorf. Die „Donauschwaben“ siedelten im 18. Jh. bis hier hinauf, in den Nordosten der heutigen Ungarn bzw. in den äußersten Nordwesten Rumäniens, also weit von der Donau entfernt. Carei / Großkarol (Ew.: 25.000 / 2002) war die erste Stadt in Rumänien, die wir auf dieser Reise besuchten. Nur in wenigen Straßen im Zentrum hat man den Eindruck von intensiverem „städtischen Leben“. Danach spazierten wir durch den großen und angesichts der Wärme des Tages erfrischenden Schlosspark im Stadtzentrum. Im Park bewunderten wir eine riesenhafte Platane, zu Recht als Naturdenkmal erklärt. Einen bedauerlichen Anblick bietet das Schloss. Es entstand an der Stelle älterer Befestigungen Ende des 19. Jh. im neogotischen Stil. Beim akutellen Zustand bezweifelt man, ob die vereinzelten Sanierungsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte überhaupt etwas gebracht haben oder mehr dem weiteren Verfall Vorschub leisteten. Nach dem Schloss ist die Synagoge das beeindruckendste Gebäude der Stadt. Unbenutzt, aber noch fast komplett intakt steht sie mit ihrer großen Fassade in einer Seitenstraße. Das ab 1870 erbaute Gebäude verschmelzt in einzigartiger Weise maurische mit romanischen und einzelnen gotischen Stilelementen. Sowohl die Grafen Károly – danach wurde Carei benannt - im 18. und 19.Jh. wie auch die rumänische Verwaltung nach 1920 versuchten die Ebene um Carei und Satu Mare zu besiedeln. Wie wir auf der Fahrt durch schwach entwickelte Siedlerdörfer aus den 1920er Jahren (Paulian, Doba, Decebal) sahen, gab es dabei gerade im 20 Jh. die größten Schwierigkeiten. Die Siedler, mussten mit den tieferliegenden und daher sehr überschwemmungsgefährdeten Landstrichen Vorlieb nehmen. Daher basieren diese Dörfer nur auf zu schwach entwickelter Landwirtschaft. Nach kurzer Zeit erreichten wir Satu Mare / Sathmar, Kreisstadt und die nordöstlichste Großstadt Rumäniens (115.000 Ew. / 2002). Satu Mare verliert, so wie fast alle Städte Rumäniens, seit 1990 stark an Einwohnern. Im Hotel fand eine Hochzeit mit lauter Musik statt, die unsere Gespräche beim Abendessen auf ein Minimum reduzierte. Das Programm des nächsten Tages umfasste einen Besuch des Deutschen Forums und der Sathmarschwäbischen Stiftung. Mit Herrn Dr. Hager und Herrn Fostenheisler kam es zu intensiven Gesprächen über die Region und die Situation der Sathmarer Schwaben, heute immerhin die größte noch verbliebene deutschsprachige Siedlergruppe in Rumänien. Wir besuchten das neue Kulturzentrum der Schwaben sowie für einen Imbiss den Schwabenkeller. Auf einem Stadtrundgang umrundeten wir den Piata Libertatii, einst einer der größten Viehmarktplätze im weiten Umkreis, heute ein schöner zentralstädtischer Park. Am Hotel Dacia, 1902 im prachtvollen Jugendstil erbautes ehemaliges Hotel Pannonia, vorbei kamen wir zur großen klassizistischen kath. Bischofskirche (erbaut 1786 – 98). Die große Synagoge mit reichgegliederter Fassade (erbaut ab 1889) kündet deutlich von der Größe und auch Emanzipation der damals sehr zahlreichen jüdischen Bevölkerung in Satu Mare, die aus Nordsiebenbürgen – das damals unter der Herrschaft der ungarischen Pfeilkreuzler stand - im Sommer 1944 fast vollständig nach Auschwitz deportiert wurde. Das nach der großen Überschwemmung des Flusses Somesch von 1970 aus dem Boden gestampfte und durch mehrere Hochhäuser sowie einen großen „Aufmarschplatz“ im Stil des Ceausescu – Sozialismus geprägte neue administrative Stadtzentrum war der letzte Punkt der Stadtbesichtigung; heute wirkt es dort recht leblos. Durch die Ebene in Richtung Nordosten fahrend, erreichten wir über Livada, wo wir einen kurzen Stopp beim ehemaligen Schloss der Barone Vécsey (erbaut 1760, klassizistischer Umbau ab 1823) einlegten, dann die Ausläufer der Ostkarpaten.

Die Kleinstadt Negresti – Oas im landschaftlich schönen Oascher Land, ethnographisch deutlich sichtbar von der Maramuresch beeinflusst, war der nächste Haltepunkt. Aufgrund der überaus starken Gastarbeitertätigkeit im westlichen Ausland herrscht in der Stadt und in den umliegenden Dörfern des Oascher Landes ein unbeschreiblicher und ungeregelter Bauboom, der der schönen Landschaft arg zusetzt. Certeze Jüdischer Friedhof Am Huta – Pass (587 m) stiegen wir auf kurzem Fußweg zu einem Steinbruch, der ein gewaltiges Panorama über das obere Theisstal und einen Teil der Maramuresch bot. Sighetu Marmatiei / Marmarosch – Sighet (41.000 Ew. / 2002) erreichten wir abends im strömenden Regen. Besucht wurde die zentrale neogotische reformierte Kirche mit einigen Bauteilen aus dem 15. Jh. und der Turm dieser Kirche, der aber aufgrund der Fensterläden nicht die erwartete Aussicht bot. Frau Samietz zeigte uns das große Wohnhaus der adligen Familie Mihály de Apsa, mit altertümlicher Einrichtung zumeist aus dem 19. Jh., in der sie die alte adelige Dame vor über 10 Jahren noch erlebt hat. Durch das Stadtzentrum mit früherem Komitatshaus, entlang einiger Zeilen prächtiger Bürgerhäuser, kamen wir zur Gedenkstätte im ehemaligen Gefängnis, in dem in der frühen Zeit des sowjetisch - stalinistisch geprägten Kommunismus (ab 1946 bis in die sechziger Jahre) viele politische Gefangene einsaßen, z.T. gefoltert wurden und umkamen. Ein kurzer Besuch führte uns ins Geburtshaus des Schriftstellers Elie Wiesel (Friedensnobelpreisträger 1986), jetzt als Museum eingerichtet und dem einzigen Nobelpreisträger aus Rumänien gewidmet. Die Vorsitzende des Deutschen Forums und Leiterin des neueingerichteten deutschsprachigen Kindergartens, Frau Ana – Kati Cotha, führte uns durch die bescheidenen Räumlichkeiten dieser Einrichtungen. Die dürftige Ausstattung des Kindergartens veranlasste die Reiseteilnehmer dazu, hier konkrete Hilfe zu versprechen (Geld für Kinderschulmöbel, einen Computer, Lehrmittel u.a.). Im Anschluss an die Reise wurde dazu eine bisher erfolgreiche Sammelaktion von der DRG durchgeführt. Ein Computer mit Zubehör konnte im April 2006 angeschafft werden. Abends fanden wir uns im neuen, außerordentlich rustikal – folkloristisch eingerichteten Restaurant „Iurga din Calinesti“ zu einem deftigen Mahl ein.

Friedhof Sapanta

In der Umgebung von Sighet besichtigten wir den bekannten „Lustigen Friedhofs“ von Sapânta. Auf diesem rumänischen Friedhof werden in Holz geschnitzte Grabsteine mit Bildern aus dem Leben der Verstorbenen versehen. Darunter und auf der Rückseite finden sich – oft längere – Reime, die das Leben beschreiben und dabei auch die negativen Seiten nicht aussparen. Am Rande von Sapânta gingen wir zum jüdischen Friedhof mit vielen Grabsteinen besonders aus dem 19. Jh und dem Ochel eines Rabbiners. Anschließend erkundeten wir das „Salzland“ der Maramuresch. Durch das Salz, das von hier jahrhundertelang in die Große Ungarische Tiefebene ausgeführt wurde, war die Maramuresch schon im Mittelalter bedeutsam; mehrere Salzgruben produzierten bis ins 20. Jahrhundert. Kurz hielten wir in Sighet – Sókamara / Salzkammer, wohin das Salz früher mit Schmalspurbahnen gebracht und verladen wurde. In Costiui sahen wir uns aufgelassene Salzminen und das alte Bergamt, heute eine Schule, sowie die ehemalige Verladestation an. Der folgende Tag führte von Sighet durch das großartige Iza – Tal Richtung Osten. Zunächst besuchten wir das neuaufgebaute Kloster in Bârsana mit eine Holzkirche und etlichen neuen großen hölzernen Klostergebäuden, in einer blumenreichen parkartigen Landschaft gelegen. Dieses Kloster ist gewissermaßen ein Symbol der Orthodoxie in dieser Region, in der ansonsten ein sehr großer Teil der rumänischen Bevölkerung zur mit Rom unierten Kirche tendiert. In Ieud besuchten wir zunächst die sehr alte, kleine hölzerne Bergkirche, später dann die hölzerne Kirche unten im Dorf. Von der Bergkirche wird angenommen, dass sie erstmals1364 erbaut wurde. Im 18. Jh. wurde die alte Kirche weitgehend überbaut. Sie ist mit Innenmalereien ausgeschmückt. Nach der Übernachtung bereits in Viseul de Sus / Oberwischau stand am kommenden Tag diese Kleinstadt auf dem Programm. Über einen langen Zeitraum bis in die 1940er Jahre war der Ort durch einen gleich hohen Anteil deutschsprachiger Zipser, jüdischer sowie rumänischer Einwohner geprägt. Zunächst besuchten wir die kath. St. Anna - Kirche (erb. 1929), in der zwei Lieder gesungen wurden; die Gottesdienste finden wie in vielen katholischen Kirchen Rumäniens in Ungarisch, Deutsch sowie der Landessprache statt. Danach trafen wir im Gebäude des Deutschen Forums mit dessen Vorsitzenden Herrn Augustin Olear zusammen, der uns zur Geschichte und Gegenwart der hiesigen Zipser erzählte. Man ist hier unbedingt bemüht, die wirtschaftlichen und kulturellen Chancen zu nutzen; es gibt kaum noch Auswanderer. Ein Spaziergang führte uns dann durch die Zipserei, dem Wohnviertel der deutschsprachigen Zipser, die im 18. Jh. als Waldarbeiter hierher kamen. Über die Brücke des Vaser / Wasser – Flusses, an dessen Ufer entlang die berühmte Wassertal(klein-)bahn 50 km tief ins Maramuresche Gebirge führt, durch das früher jüdische Wohnviertel, teilweise noch von hölzernen Blockbohlenhäusern geprägt, gingen wir zurück ins Stadtzentrum. Einem Blick ins Bürgermeisteramt und auf den Markt folgte eine Pause in einem neuangelegten Gartenlokal. Nach einem langen Fahrtag durch das landschaftlich großartige obere Viseu – Tal / Wischautal über den Prislop – Pass (1.416 m) verließen wir die Maramuresch und erreichten die Bukowina / Buchenland, historisch schon ein Teil der Moldau. In der Pass – Baude versammelten wir uns zu einer kurzen Geographie – Stunde mit Rumänienkarte, um in der zerklüfteten Bergwelt der Ostkarpaten den Überblick zu behalten. Von 1775 bis 1918 war die Bukowina Bestandteil des Habsburgerreiches und erfuhr in dieser Zeit einen gewaltigen Entwicklungsschub, der bis heute noch sichtbar ist. Durch das Tal der Bistrita Aurie / Goldene Bistritz kamen wir nach Cârlibaba / Kirlibaba. Zunächst sahen wir im alten rumänisch und huzulischen Ortszentrum eine huzulische Holzkirche (Huzulen: ostslawisches Bergvolk in den Ostkarpaten) mit gedrungenem, aber reich gegliedertem Baukörper. Dann überquerten wir die Bistritz und gelangeten in den nach 1800 gegründeten Ortsteil Cârlibaba Noua / Ludwigsdorf, in dem seinerzeit Zipser Deutsche als Bergleute angesiedelt worden waren. Der Pfarrer zeigte uns die katholische St. Ludwigskirche sowie das neuerbaute kleine Gemeindezentrum. Die Frauen der Gemeinde waren dabei, Blumenschmuck für ein Kirchenfest zu binden. Cârlibaba Noua gehörte bis 1918 zu Siebenbürgen, während das nur wenige Schritte entfernt, jenseits des kleinen Flusses liegende Cârlibaba bereits in der Bukowina und damit in der österreichischen Reichshälfte lag.

Abends erreichten wir dann nach dieser langen Tagesetappe endlich das nett renovierte Hotel Zimbru in der Stadt Campulung Moldovenesc / Kimpolong. Ein Abendspaziergang durch das kleine Stadtzentrum der bis 1918 österreichischen Stadt führte uns zum monumentalen Denkmal der Jagd des Dragos Voda - der Legende nach der aus der Maramuresch kommende Begründer der Moldau.- nach den Auerochsen.

Anderntags führte uns der Direktor Herr Dr. Marcel Zahariciuc durch das in dieser Art in Europa einzigartige Holzmuseum (Muzeul Lemnului) mit einer enormen Vielfalt (15.000 Objekte) von hier im ostkarpatischen Raum hergestellten und in fast allen Lebensbereichen und vielen Berufszweigen benutzten Holzgegenständen. Das jüdische Gemeindehaus war geschlossen, und daher konnten wir auch die gegenüber dem Hotel liegende Synagoge (erbaut ab 1880) nur von außen sehen. Für einen wunderschönen Nachmittag fuhren wir dann über Vama und Gura Humorului durch das Tal der oberen Moldova. Zunächst kamen wir in die wenig besuchte Ortschaft Baia, in der Frühzeit (14.Jh.) sogar Fürstensitz der Moldau. Die Ruinen einer grossen gotischen Kirche (14. Jh.) weisen noch auf den Einfluss der katholischen Kirche hin, die diese in der Anfangszeit des Fürstentums hatte. An der Kleinstadt Falticeni vorbei ging es ins Dorf Râsca. Zuerst besuchten wir das Kloster Râsca, eines der weniger bekannten Moldauklöster. Das befestigte Kloster und die Klosterkirche wurden vom Fürsten Petru Rares ab 1542 erbaut und später Stück für Stück ergänzt. Die Innenmalereien erhielten sich fast unverändert aus der Entstehungszeit. Von Außen ist die Kirche zum Teil auch mit farbintensiven alten Fresken bedeckt. Anschließend besuchten wir im Dorf Râsca Frau Gabriella Haeusler, Professorenwitwe aus Berlin – Pankow, die uns freundlicherweise in ihr blumenumranktes Sommerhaus hier in den Ausläufern der Ostkarpaten eingeladen hatte. Neben der großzügigen kulinarischen Bewirtung konnten wir ihren detaillierten Ausführungen zu den Schönheiten, aber auch – manchmal surreal anmutenden – Schwierigkeiten (mit einzelnen Nachbarn) in ihrem Sommerdomizil lauschen. Abends fuhren wir zurück nach Campulung.

Kloster Moldovita

Anderntags erreichten wir das befestigte Kloster Moldovita. Es wurde unter Fürst Petru Rares ab 1532 erbaut und mit Innen- und Außenfresken versehen. Zu den bekanntesten Fresken gehören die „Belagerung Kontantinopels“ sowie der „Baum Jesse“. Heute gehört das Kloster zum UNESCO – Weltkulturerbe. Eine nachmittägliche Brotzeit hielten wir auf der Passhöhe des Ciumârna – Passes. Dieser ist mit 1.100 m einer der höchsten Pässe mit asphaltierter Straße in der Bukowina. Er überquert die Obcina Mare. Hinter dem Pass kamen wir zum stark befestigten Kloster Sucevita. Das Kloster und die Kirche mit bemalten Außenwänden stammen vom Ende des 16. Jh. und sind eine Stiftung der Gebrüder Movila. Die Außenfresken zeigen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament sowie die berühmte „Himmelsleiter“. Danach hielten wir im Töpferdorf Marginea und sahen uns eine Töpferei – Kooperative an. Durch das sehr langgezogene Straßendorf Clit / Glitt, welches 1843 von Deutsch – Böhmen aus dem Böhmerwald gegründet wurde, erreichten wir unsere nächste Station, Solca. In Solca sahen wir uns unter Leitung der Pfarrersfrau die Klosterkirche im ehemals befestigten Kloster an. Die Kirche wurde im 17. Jh. erbaut und weist als Besonderheit eine Grabkammer zwischen Pronaos und Naos auf. Über dem niedrigliegenden Gewölbe dieser Gräberkammer liegt ein Raum, die Schatzkammer, in dem in unruhigen Zeiten der Kirchenschatz aufbewahrt wurde. Dieser sehr geschickt in das Kirchengebäude eingebaute Raum ist nur durch eine kleine, vom Kirchengestühl fast verdeckte Tür und eine enge Wendeltreppe zu erreichen. Mit einiger Mühe gelangten wir hinauf und sahen die kleine Ausstellung einiger Kirchenschätze. Nach dem Besuch der Kirche schenkten uns sehr freundliche Angestellte der nebenliegenden Brauerei eine Kiste „Bere Solca“. Dieses Bier wird bis heute in der im 17. Jh. als Klosterbrauerei gegründeten ältesten Brauerei Rumäniens hergestellt. Anschließend begegneten wir in der Hauptstraße der Kleinstadt einem von drei munter aufspielenden Musikern angeführten Hochzeitszug. Danach besuchten wir das Dorf Cacica mit bis heute stärkerer polnischer Bevölkerung. Insgesamt wurden im Zensus 2002 3.670 Polen gezählt, die fast alle im Kreis Suceava und somit in der Bukowina lebten. Die zu Beginn des 20. Jh. aus Backsteinen erbaute katholische polnische Wallfahrtskirche im Dorf hat als Pilgerort eine weit über die Kreisgrenzen hinausgehende Bedeutung. Cacia hatte in der Vergangenheit besondere Bedeutung durch den Salzabbau. Dieser kam aber zum Erliegen, und aus Zeitgründen konnten wir nicht in die unterirdischen Salzdome einfahren. Abends ging es zurück nach Campulung Moldovenesc.

Am Sonntag (28. 8.) hielten wir zunächst in der Ortschaft Vama. Durch hohes Gras und über einen Bach gingen wir zum fast vergessenen jüdischen Friedhof. Die letzten Gräber stammen aus den 1970er Jahren. Die meisten der teils recht kunstvollen Grabsteine sind in Deutsch (Bukowina!), ältere in Hebräisch und einige jüngere Grabsteine in Rumänisch beschriftet. Danach erreichten wir das Kloster Voronet – einer der kunst- und kulturgeschichtlichen Höhepunkte der Reise. 1488 wurde das Kloster vom Moldau – Fürsten Stephan dem Großen (Fürst 1457 – 1504) gegründet, und unter dem Nachfolger Fürst Petru Rares wurde die Klosterkirche erbaut und mit Fresken von Innen und Außen bemalt. Die kunstvoll ausgeführten und gut erhaltenen Fresken vor dunkelblauem Hintergrund („Das Blau von Voronet“) stellen einen der Höhepunkte moldauischer Kultur schlechthin dar. Eine der zentralen Darstellungen zeigt das „Jüngste Gericht“. Das Kloster gehört wie einige andere der sogenannten Moldau - Klöster, die zumeist in der Bukowina liegen, zum Weltkulturerbe der UNESCO. Später ging es in die – aufgrund ihrer Lage zwischen den touristisch wichtigsten Moldau- Klöstern – aufstrebende Kleinstadt Gura Humorului / Gura Humora. Für zwei Stunden wurden wir auch Teilnehmer des Buchenland - Treffens der Bukowina - Deutschen. Etwa 800 Buchenland - Deutsche – die sich oft als Österreicher sehen – soll es derzeit geben. Die herzliche Gastfreundschaft auf dem Fest und die vielen Gespräche in dem durch die Ortsvorsitzende, Frau Carmen Morosan, aufgebauten neuen Gemeindezentrum hätte uns beinahe vom weiteren Tagesprogramm abgebracht.

Am Nachmittag erreichten wir Suceava, heute Kreisstadt mit 106.000 Ew.(2002), Hauptstadt der Moldau von 1370 bis 1565. Zunächst besuchten wir die imposanten Ruinen der Fürstenburg. Diese heute gut gepflegte und archäologisch gut erschlossene Ruine war eben der Sitz von Stephan dem Grossen, dessen Regierungszeit (1457 – 1504) dem Land eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte bescherte. Auf einem Berg liegt das armenische Kloster Zamca (Atlslaw.: Festung) mit Befestigungen und monumentaler Gewölbepforte aus polnischer Zeit (Ende 17. Jh.) und inzwischen renovierter Kirche (16. Jh.), eine Synthese moldauischer Architektur und armenischer Kultausübung. Eine Pause im Stadtzentrum mit „sozialistisch-nationaler Großarchitektur“ machte uns einmal mehr mit nach wie vor bestehenden Schwierigkeiten in der gastronomischen Versorgung sowie haarsträubender Hygiene bekannt (WCs !). Am Rande von Suceava sahen wir uns das frühere Schtetl Budurjeni an; erstmals fiel dabei die spezifische Architektur ins Auge. Durch zunehmend baumarme steppenartige Landschaft fuhren wir aus der Bukowina heraus in Richtung Osten. Mit der Kreisgrenze von Botosani erreichten wir schließlich die Moldau, unsere östlichste Zielregion.

Bürgermeisteramt Botosani

Botosani / Botoschan ist die nordöstlichste Großstadt Rumäniens. (117.000 Ew. / 2002). Noch im 19. Jh. war Botosani die viertgrößte Stadt des damaligen Rumänien; eine Hochburg moldauischer und später auch jüdischer Kultur. Bis ins 19. Jh., als die Grenzen in diesem Teil Europas noch durchlässiger waren, stellte man über Botosani die Verbindung vom Habsburgerreich, von Polen und vom Westen Russlands zum Fürstentum Moldau, der Unteren Donau, dem Schwarzen Meer und dem Osman. Reich her. Das entfiel seit der Gründung Groß-Rumäniens im Jahre 1920, der folgenden Selbstisolation des Landes und der „kalten Freundschaft“ mit der Sowjetunion. Eine ausgedehnte Führung zeigte das neue und das damit verzahnte alte Stadtzentrum mit dem großen jüdischen Viertel, in dem heute zum Teil Roma wohnen. Im bescheideneren Teil des jüdischen Viertels sahen wir ein seit Jahrzehnten verlassenes Bethaus mit brettervernagelten Fenstern. Mit Stuck geschmückte, teils reich gegliederte Häuser im zentraleren Teil der Stadt künden von Botosani als von einer bedeutenden Stadt, in der es bürgerliche Schichten von Moldauern und Juden nebeneinander gab. Das schöne Rathaus, wo wir im Ratssaal von einer Stadtangestellten begrüßt wurden, kündet ebenso wie etliche Kirchen, das Kunstmuseum und einige breite baumbestandene Boulevards von einer auch wohlhabenden Vergangenheit. Hinter großen Wohnblocks regelrecht „versteckt“ fanden wir die Große Synagoge die „Hoiche Schul“ (Hohe Schule), ein beachtlich großes Bauwerk für das Entstehungsjahr 1834. Außen schlicht und nüchtern gehalten, war es uns leider nicht möglich, die kunstvolle und prächtige Inneneinrichtung zu sehen. In Botosani gesellten sich mehrfach Neugierige und auch Bettler zu unserer Gruppe, da hierher Touristengruppen nur äußert selten kommen. In dem großen, im Sommer durch den alten Baumbestand herrlich schattigen Eminescu - Park gab es in einem Café eine kleine Lesung aus einem Buch von M. Blecher, einem wiederentdeckten surrealistischen jüdischen Schriftsteller vom Beginn des 20. Jh., der aus Botosani kam. [M. Blecher: Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit. Suhrkamp 2003]. Zum Schluss besuchten wir den riesigen jüdischen Friedhof am Stadtrand, der u.a. mit vielen prächtigen Grabmälern noch heute von der einstigen Bedeutung der Stadt und ihrer Bürger kündet. Wegen „unzumutbarer“ Bedingingen mussten wir das zunächst angesteuerte Hotel in Botosani verlassen und fanden schließlich Unterkunft in einem guten neuen Hotel am Stadtrand.

Frumusica, ebenfalls ein ehemaliges Schtetl, watr die nächste Station. Hier machten wir einen längeren Halt, um einmal einige Aspekte eines kleinen Schtetl anzuschauen. Die Häuser sind unmittelbar aneinander gebaut, gehen tief nach hinten (sogenannter Haustyp „Waggon“), haben (oder hatten) fast alle im vorderen Teil einen Ladenraum oder Raum für ein Handwerkeratelier und fast immer einen Keller. So besuchten wir einen tief unter einem Wohnhaus liegenden Lager- und Schutzkeller, was angesichts der Steilheit der Treppe und der Dunkelheit schon fast abenteuerlich wurde. Da Frumusica auch der Herkunftsort des Initiators der DRG - Berlin, Dr. Reuven Moskovitz, ist, versuchten wir uns auch nach dem ehemaligen Haus seiner Familie durchzufragen, was leider nicht gelang.

Hârlau erlebten wir dann bei Regen. Hier liegen die Ruinen eines beliebten Hofes der moldauischen Fürsten (vermutl. ab dem 14. Jh. errichtet) sowie die danebenliegende Kirche, die Stefan der Große (Fürst von 1492 hier errichten ließ. Die Pause konnte leider nur in bescheidenen Cafés durchgeführt werden. Auch hier, so wie bei vielen Moldau - Städten, finden sich längere Häuserzeilen mit dicht aneinander gebauten Häusern ehemals jüdischer Einwohner in ihrer spezifischen Architektur. Im Stadtzentrum sahen wir die Synagoge vom Beginn des 19. Jh., ein bedeutendes Baudenkmal.

Georgskirche Harlau

Nach weiter Fahrt erreichten wir schliesslich Iasi / Jassy. Iasi liegt derzeit mit einer Einwohnerzahl von 321.000 (2002) an zweiter Stelle nach Bukarest, aber etwa gleichauf mit Cluj, Constanta und Timisoara und leicht vor Galati, Brasov und Craiova. Iasi ist die kulturelle Hauptstadt der rumänischen Moldau seit fünf Jahrhunderten; eine Stadt der Kirchen und Klöster, Schulen und Universitäten. Von 1565 bis zur Vereingung des Fürstentums Moldau mit dem der Walachei 1859 war Iasi auch Hauptstadt des unter osmanischer Herrschaft stehenden Fürstentums. Unser Quartier war im Hotel Unirea im Stadtzentrum. Eine detaillierte Führung durch Geschichte und Gegenwart der Stadt machten für uns Oana und Markus Bauer, ehemals DRG – Vorstand, die beide mehrere Jahre in Iasi gelebt haben. Wir besuchten das Hauptgebäude der grossen und bedeutenden Alexandru Ioan Cuza Universität, den nebenliegenden berühmten Copou - Park mit der Eminescu – Eiche und ein schönes Gartencafé. Weiter den gewaltigen Kulturpalastes (neogotisch, erbaut 1910), die von außen großartig mit vielfältigen bandartigen Steindekorationen mit zumeist orientalischen Mustern verzierte Drei - Hierarchen - Kirche (Trei Ierarhi; erbaut 1635 – 1639) , die völlig neuerbaute ultramoderne katholische Bischofskathedrale und die orthodoxen Metropolitan - Kirche (erbaut1833 – 87), mit den Reliquien einer Hl. Paraschiva (Schutzpatronin der Moldau), zu denen jedes Jahr im September die größte orthodoxe Wallfahrt des Landes stattfindet. Später besuchten wir noch die armenische Kirche mit einer Sammlung überaus vielgestaltiger Grabsteine im Hof und die Kirche der Hl. Sava (erbaut ab 1625) mit orientalisch beeinflussten Architekturelementen.

Ein Rundgang führte uns entlang der Medizinischen Fakultät der Universität, den wenigen Relikten der jüdischen Architektur in Iasi mit zweigeschossigen Wohnhäusern in der Str. Sf. Theodor. Weiter zum Barboi Kloster, Grablege auch der Bojarenfamilie Sturdza, zeitweilige Inhaber des Fürstenthrones. Danach gingen wir zum Golia – Kloster, erbaut im 17. Jh. Das beeindruckende, stark befestigte innerstädtische Kloster mit der überaus reich geschmückten siebentürmigen Kirche ist ein weiteres Juwel moldauischer Architektur. Herzlich wurden wir im jüdischen Gemeindezentrum durch den Gemeindevorsitzenden Herrn Kaisermann begrüßt, anschließend gab es einen kleinen Imbiss. Eine überaus informative Führung durch die älteste Synagoge Rumäniens im Viertel Târgu Cucului (Kukucksmarkt) und das kleine Gemeindemuseum in der Synagoge machte Herr Dr. Silviu Sanie, Archäologe, Erforscher der jüdischen Regionalgeschichte und in dieser Funktion Nachfolger des im Jahre 2001 hochbetagt verstorbenen Prof. Itzig Schwart – Kara, der auf einer der ersten DRG - Reisen besucht worden war. Die Synagoge war 1671 erbaut worden, kurz nachdem sich Tausende Juden aus den ukrainischen Nachbargebieten vor den überaus blutigen Kosackenaufständen (1648 – 54) des Bogdan Chmelnitzkij ins seit dem 1512 unter osmanischer Oberherrschaft stehende Fürstentum Moldau geflüchtet hatten. Immer wieder wurden dann Juden durch fürstliche Hrisovs (Freibriefe) ins Land geholt oder eingeladen Siedlungen zu gründen; so entstanden allein in der heutigen rumän. Moldau bis zur Mitte des 19. Jh über 60 Schtetls. Einen wunderbaren Abend verbrachten wir im traditionsreichen Restaurant Bolta Rece (Kühler Bogen), eines der wenigen nicht – kirchlichen Gebäude aus dem 18. Jh. Wir erhielten eine kleine Führung in die sehr tiefliegenden Kellergewölbe, bis heute z.T. als Weinkeller genutzt, und mit einem kilometerlangen Netz von Tunnelgängen mit anderen Haushellern und sogar anderen Stadtteilen verbunden – eine erstaunliche unterirdische Entdeckung.

In Iasi begann dann auch die Rückreise, die uns zunächst durch Podu Iloaiei führte. Hier sahen wir noch ein weiteres ehemaliges Schtetl mit seiner typischen Architektur, die sich hier gerade dadurch besser erhalten konnte, dass viele Roma in die Häuser hineingesetzt worden sind. In der Kleinstadt Târgu Neamt legten wir nur einen kurzen Zwischenstopp ein. Dabei sahen wir die hier – typisch wie auch in anderen Moldau – Städten – hinter Blocks „versteckten“ eng aneinandergefügten Reihen früherer jüdischer Häuser. In rascher Fahrt kamen von in die Ostkarpaten hinein und erreichen nach einem ersten kleineren Pass (Petru Voda, 900 m) das Dorf Poiana Largului am Bicaz - Stausee. Hier ist ein großer Zwischenstopp für Gastarbeiterbusse aller Art auf dem Wege nach Westeuropa, v.a. nach Italien. Hier wechselten wir dann auch von der Moldau zurück nach Siebenbürgen. Durch die sommerlich - grüne Berglandschaft erreichten wir Borsec, ein heute desolat aussehender, einstmals weitbekannter Bergkurort und berühmt für das hervorragende Mineralwasser. Entlang des grossen siebenbürgischen Flusses Mures / Mieresch kamen wir dann in die früher v.a. von Siebenbürger Sachsen bewohnte Stadt Reghin / Sächsisch – Reen (37.000 Ew. / 2002), zentraler Ort des früher ebenfalls überwiegend von Sachsen bewohnten Nösnerlandes. Ein Besuch der großen gotischen evang. Stadtpfarrkirche (14 / 15. Jh.) sowie ein kürzerer Gang durch das belebte Stadtzentrum zeigten die einstige und auch jetzige Bedeutung dieser Stadt. Târgu Mures (150.000 Ew. / 2002) gehört ethnographisch bereits zum von ungarischsprachigen Szeklern bewohnten Gebiet (Szeklerland / Ungar.: Szekelyföld). Diese siedeln hier in den Kreisen Mures, Harghita und Covasna in kompakter Masse ( 0,8 Mio. Personen). Wir besuchten den zentral gelegenen Kulturpalast, ein herausragendes architektonisches Beispiel des ungarisch geprägten Jugendstils, hier Sezessionismus genannt. Er wurde zwischen 1911 und 1913 neben dem einige Jahre zuvor im gleichem Stil erbauten Rathaus errichtet. Zahlreiche farbige Mosaiken mit floralen Motiven oder geometrischen Mustern schmücken den Palast von Aussen. Innen konnten wir den sogenannten Spiegelsaal bewundern. Zwölf grosse Fenster mit herrlichen farbigen Bleiverglasungen zeigen szeklerische Legenden - oder Folkloremotivemotive. Einen Blick warfen wir in die grosse, das Stadtzentrum dominierende orthodoxe Kathedrale, in den zwanziger Jahren im neobyzantinischen Stil errichtet als Symbol der nunmehrigen Zugehörigkeit der Region zu Rumänien.

Cluj / Klausenburg war dann der letzte Höhepunkt dieser Rumänien – Reise. Nach einem schönen Konzert klassischer Musik durch Schüler der Musikschule u.a. Robert Incze (Klarinette) sowie die Studenten Raluca und ihren Bruder Andrei Ciobanu (DRG – Stipendiaten) fand ein lebhafter Austausch mit Freunden und Bekannten aus Cluj statt. Eine Besichtigung der grossen St. Michaelskirche (gotisch, 14. / 15. Jh.) folgte, danach das Reiterstandbild des ungar Königs Matthias Corvinus und das Kunstmuseum im ehemaligen Bánffy – Palast. Durch die zentrale Innenstadt kamen wir an der Universität vorbei. Herr Dr. András Biró, Verbindungsmann der DRG zu Cluj, hatte uns sowie die Lehrer und Studentinnen der Musikschule abschliessend in die Professorenmensa der Universität zu einem guten Essen eingeladen.

Am Samstag, 3. 9. ging die Rückreise in Cluj früh los, über Oradea wurde die rumänische Westgrenze erreicht. Nach einer netten Mittagspause in einem ungarischen Restaurant kamen wir nachmittags wieder am Flughafen in Budapest an und flogen am frühen Abend nach Berlin zurück.

Fazit: Den Schönheiten von Natur und Landschaft, Siedlungen und Kultur sowie vielen hoffnungsvolle Ansätzen zur ökonomischen, demokratischen und kulturellen Entwicklung steht bisher eine kaum nachgelassene drückende Armut erheblicher Bevölkerungsteile und unzählige Mängel an Infrastrukturen jeglicher Art, Umweltprobleme (z.B. Vermüllung, Erosion) sowie verbreiteter Nationalismus (z.B. ausgedrückt durch viele Denkmäler, Ausgrenzung der Roma uvm.) und viele nicht oder kaum genutzte Potentiale gegenüber. Trotzdem dürfte sich die Mehrheit der Reiseteilnehmer der These eines vorsichtigen Optimismus bezüglich der Landesentwicklung wohl anschliessen. Der Weg nach „Europa“ ist aber noch sehr viel weiter als der Weg in die EU. Als Reiseleiter möchte ich mich für das Interesse, die kritischen Nachfragen und Ideen der Mitreisenden bedanken sowie bei den vielen Menschen denen wir in Rumänien begegneten.

Christof Kaiser