10 Jahre Deutsch-Rumänische Gesellschaft

von Herbert Siebold

Vielen Menschen in unserem Lande ist Reuven Moskovitch nicht nur bekannt als ein tatkräftiger Vertreter von Versöhnung zwischen Juden und Deutschen und ein leidenschaftlicher Befürworter eines gerechten Ausgleichs zwischen Israelis und Palästinensern, sondern auch als ein genialer Reiseführer durch Israel. Beste geografische Kenntnisse, umfangreiches historisches Wissen und ein tiefes religiöses Verständnis, verbunden mit großer Zuneigung zu allen ihm anbefohlenen Menschen und liebevoller Fürsorge für sie machen Reuven Moskovitsch zu einem idealen Führer durch sein Land.

Auf meiner letzten Israelreise kam mehr durch einen Zufall die Rede darauf, dass Reuven erst als junger Mann eine neue Heimat in Israel gefunden hat, dass er eigentlich aus einem „Städtle“ in Rumänien stammt und dieses im Westen so vergessene Land genauso gut kennt und liebt wie nun seine zweite Heimat. Da kam schnell der Wunsch auf, doch auch einmal mit ihm eine Studienreise durch Rumänien zu veranstalten, um die großen Kenntnislücken in Bezug auf dieses Land füllen zu können.

Kurz vor den Herbstferien 1991 erreichte einige Freunde und mich Reuvens spontanes Angebot, in diesen Herbstferien eine, wenn auch nur kurze Studienfahrt durch Rumänien zu unternehmen. Zu Achten waren wir dann schnell entschlossen.und brachen von Bukarest aus in einem uralten Mercedes-Kleinbus zu einer höchstinteressanten und abenteuerlichen Informationsfahrt durch weite Teile Rumäniens auf. Diese Reise hat uns tief beeindruckt. Selten haben Menschen in so kurzer Zeit so viele und so verschiedenartige Eindrücke aufnehmen und Erfahrungen sammeln können, haben dank der umfassenden Kenntnisse Reuven Moskovitchs so umfangreiche Informationen erhalten. Die Fahrt hat den Teilnehmerinnen und Teilnehmern  einmal die großartige Schönheit der Natur dieses reich gesegneten Landes vor Augen geführt – und das in drei Jahreszeiten von heißen Spätsommertagen bis zu eiskalten Vorwinterzeiten; sie hat uns sodann die schier unerschöpflichen kulturellen Schätze aus vielen Jahrhunderten der bewegten Geschichte Rumäniens nahe gebracht und sie hat schließlich auch die enormen sozialen und ökonomischen Probleme deutlich werden lassen, unter denen das Land nach seiner Wende zu leiden hat. Im Kontext kriegerischer Auseinandersetzungen  zwischen verschiedenen Völkern und Religionen im Südosten Europas geraten nationalistische und rassistische Bestrebungen in Rumänien zu einer Gefahr auch für dieses Land, das von diversen Ethnien bewohnt wird. –

Diese Eindrücke haben uns sehr bewegt und nicht wieder losgelassen. In der Überzeugung, dass die große Unwissenheit weiter Bevölkerungskreise im Westen überwunden werden muss und von dem Wunsch beseelt, die Menschen aus beiden Ländern und ihre Kultur einander nahe zu bringen, entstand alsbald aus dieser Reisegruppe ein Vorbereitungsteam für die Gründung einer Gesellschaft, die sich dem Ziel der Anbahnung und Förderung von kulturellen, wissenschaftlichen, politischen und humanitären Beziehungen zwischen Menschen, die in Deutschland oder Rumänien leben, gleich welcher ethnischen oder religiösen Herkunft sie auch sein mögen, verschrieb. In etlichen Sitzungen hat dieses Vorbereitungskomitee die umfangreichen Vorbereitungen, welche die Gründung einer Gesellschaft in der juristischen Form eines eingetragenen Vereins nun mal mit sich bringt, getroffen und nur vier Monate gebraucht bis zur Gründungsversammlung, die am 17. Februar im großen Saal im Haus der Kirche Goethestraße 26 in Charlottenburg stattfand. Erstaunlich viele Menschen hatten sich zu dieser denkwürdigen Veranstaltung eingefunden, die durch die Teilnahme hervorragender rumänischer Solisten bereits einen kulturellen Höhepunkt darstellte. Sie waren interessiert, von den Zielen und Aufgaben der neuen Gesellschaft zu hören, die Satzung kennenzulernen und vielleicht mitzuarbeiten. So erklärten über fünfzig Personen an diesem Abend ihren Beitritt zur „Deutsch-Rumänischen Gesellschaft Berlin“, die unter diesem Namen dann auch in das Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg eingetragen und alsbald auch vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt wurde. Aus diesem Kreis wurde der Vorstand gewählt: Herbert Siebold als Präsident, Brigitte Möckel-Czaki als Vizepräsidentin, Ingrid Bretzel als Schatzmeisterin und Eva-Maria Lagerstein als Schriftführerin. Seine Hauptaufgabe bestand in der Vorbereitung der viermal jährlich stattfindenden Mitgliederversammlungen, bei denen viele Ideen geboren wurden, auf welche Weise die Ziele der neugegründeten Gesellschaft erreicht werden könnten. Von vorn herein war es die erklärte Absicht, dass Vorstand und Mitglieder gemeinsam die Aufgaben angehen wollten. Große Einigkeit herrschte auch darüber, dass aus den Ideen und Plänen baldmöglichst konkrete Projekte entstehen sollten

Die Sitzungen fanden jeweils im „Haus der Kirche“ in Charlottenburg statt, wo der Gesellschaft dankenswerterweise stets Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt wurden.

Wichtigste Themen und Projekte auf diesen ersten Sitzungen waren die Veranstaltung von Ausstellungen und Konzerten, die Entwicklung von Vorstellungen über die Öffentlichkeitsarbeit der Gesellschaft, die Einrichtung eines Sprachkurses für Rumänisch, die Durchführung einer Informationsreise durch Rumänien, Wahl von Beiratsmitglieder zur Konkretisierung bestimmter Aufgaben u.a. Um nicht nur zu beraten und zu arbeiten, wurde der Beschluss gefasst, jede Sitzung mit einer etwa halbstündigen Information über die Geschichte und Kultur des Landes, über gegenwärtige politische und soziale Probleme oder über die landschaftlichen Schönheiten Rumäniens zu beginnen, um so den Mitgliedern Kenntnisse zu vermitteln und ihre Interessen zu vertiefen. Fachleute von hohem Rang wie der Balkanreferent der „Berliner Zeitung“, der Schriftsteller William Totok, der Romanist Arthur Beyrer und „der Spiritus rector“ der Gesellschaft Reuven Moskovitz sind mit ihren Referaten auf großes Interesse gestoßen. Auf diese Weise konnten Kenntnisdefizite ausgeglichen werden, die besonders zu Anfang zu Missverständnissen geführt und die Arbeit belastet haben. Bei aller Begeisterung für die gute Sache blieben Differenzen bei ihrer Durchführung und andere Schwierigkeiten nicht aus. Sie führten zum allseits bedauerten Rücktritt der Vizepräsidentin und zur Neuwahl. In  Dr. Arthur Beyrer hat die Gesellschaft nicht nur einen hervorragenden Kenner und Forscher der rumänischen Sprache, Geschichte und Kultur als Vizepräsidenten gewinnen können, sondern auch einen Verbindungsmann zur „Vereinigten Aktion Rumänien“ (VAR), mit der uns schon von Anfang an persönliche und sachliche Interessen zu Rumänien verbanden. Eine klare Aufteilung der Arbeit ist für beide Vereine von großem Nutzen: Die VAR hat ihren Schwerpunkt im karitativen Bereich, wo sie Großartiges leistet und von der DRG so weit wie möglich unterstützt wird – die DRG den ihren auf kulturellem Gebiet, wo sie der Unterstützung der VAR sicher sein darf. Für den vakant gewordenen Posten der Schriftführerin wurde Janna Jähnig gewählt, die vielen Mitgliedern durch ihre qualifizierten Beiträge und ihr Engagement bekannt war. Für den Bereich Kultur wurde Birgit Rux und für den Bereich Kirchen Manfred Richter in den Beirat der Gesellschaft gewählt. Mit diesen beiden Beiratsmitgliedern hat die DRG wesentliche Impulse für ihre Arbeit gewonnen.

Das erste Arbeitsjahr der Gesellschaft hatte am 2o. November seinen Höhepunkt: Ein Benefizkonzert zu Gunsten der Begegnungsstätte Snagov  mit dem Sänger Gerhard Schöne und Reuven Moskovitch, das dank dieser beiden Künstler und der wirkungsvollen Vorbereitung durch die Schatzmeisterin Ingrid Bretzel zu einem großen Erfolg wurde.

In Snagov bei Bukarest hat das Ehepaar Reuven und Varda Moskovitz ein Haus errichten können, das für die Gesellschaft ein erstes Domizil auf dem Wege zu einer eigenen Begegnungsstätte darstellen könnte und bereits von uns für mancherlei Aktivitäten genutzt wird. Einige Mitglieder haben dort an der Eröffnungsfeier teilgenommen, die unter großer Beachtung der rumänischen Öffentlichkeit stattfand, dort übernachtet und die Möglichkeiten für eine Nutzung im Sinne der Gesellschaft ausgelotet.

War die erste Informationstour 1991 sozusagen die geistige Geburtsstunde der Gesellschaft, so erwiesen sich die Studienreisen, die für  Mitglieder und Interessierte ausgeschrieben wurden, von Anfang an als ein sehr wichtiges Instrument zum Bekannt machen der Ziele und Aufgaben. Diese Studienreisen wurden und werden stets von langer Hand geplant und sehr sorgfältig vorbereitet. Sie stellen sich dar als eine gelungene Mischung von Hintergrundinformationen über Land und Leute, Begegnungen mit wichtigen Gruppen und Einzelpersönlichkeiten mit touristischen Attraktionen und folkloristischen Erfahrungen, die kein Reisebüro in dieser Form bieten kann. Unter Reuven Moskovitzs Reiseführung waren sie immer ein unvergessliches  Erlebnis und führten zu dauerhaften Verbindungen untereinander und besonders auch zur Gesellschaft; denn aus vielen interessierten Mitreisenden wurden oft tätige Mitglieder.

Auch die Diskussion der politischen, ökonomischen und sozialen Lage Rumäniens bildete von Anfang an einen Schwerpunkt der Arbeit. Von den vielen Veranstaltungen im Laufe der Jahre seien hier drei besonders hervorgehoben: die mit Mircea Dinescu 1993, die mit Andrei Marga 1995 und die mit Gheorghe Micula 1996 als Referenten und Gesprächspartner. Zusammen mit den zahlreichen weiteren Beiträgen zu dieser Thematik bildete und bildet diese Diskussion eine breite Grundlage für die Erweiterung des Kenntnisstandes der Mitglieder.

So sehr die Mitglieder besonders auf den stets gut besuchten Mitgliederversammlungen durch Anregungen und Vorschläge die Arbeit mitgestalten, so geschieht doch die eigentliche Arbeit im Vorstand, der sich von Anfang an bis heute häufig zu Sitzungen trifft, um die Anregungen der MV aufzugreifen und um zu prüfen, welche guten Ideen sich in konkrete Projekte fassen lassen und wie sie zu finanzieren sind. So ist die Besetzung der Vorstandsposten von größter Bedeutung. Von der Gründung an bis heute hat die Gesellschaft Frauen und Männer gefunden, welche die Vorstandsarbeit in beispielhaftem Engagement und unter Einsatz von viel    Zeit und Geld ehrenamtlich geleistet haben. Dabei gab es nur  wenig Fluktuation; nur durch Wegzug oder aus Altersgründen schied das eine oder andere Vorstandsmitglied aus und musste durch Hinzuwahlen ersetzt werden. Auch hier seien zwei Besetzungen hervorgehoben, ohne die übrigen Zuwahlen  zu beeinträchtigen: 1993 wurde Wilfried Lohre als Nachfolger von Ingrid Bretzel zum neuen Schatzmeister gewählt und 1998 Alexander Roth als Nachfolger von Dr.Arthur Beyrer als Vizepräsident. In Wilfried Lohre hat die DRG einen außergewöhnlich tüchtigen Fachmann in Finanzfragen gewonnen, dessen umsichtiger Kassenführung zu danken ist, dass Einnahmen und Ausgaben stets ausgeglichen waren und der „Schatz“ bisher noch nicht versiegt ist. Mit Alexander Roth hat die DRG das Glück gehabt, einen Vizepräsidenten aus der jüngeren Generation zu erhalten, dessen jugendlicher Elan gekoppelt mit juristischer Fachkompetenz der Gesellschaft sehr gut tut.

Wegen ihrer großen Verdienste um die Belange den DRG erhielten Dr. Reuven Moskovitz, Varda Moskovitz, Prof.Dr.h.c. Klaus Steilmann und Dr. Arthur Beyrer die Ehrenmitgliedschaft. Es ist dies eine kleine, in der Satzung vorgesehene Anerkennung, mit der der Dankbarkeit der DRG Ausdruck verliehen wird.

Neben dem Kinderferienprogramm in Snagov (vgl. Sonderbericht auf S.   ) startete 1994 das Projekt Jugend-und Schüleraustausch mit dem Besuch von 20 Schülerinnen und Schülern, begleitet von zwei Lehrerinnen. vom Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt/Sibiu, die alle bei Mitgliedern untergebracht werden konnten. Unter der Leitung von Herren des Vorstands konnte die Schülergruppe bei ihrem viertätigen Berlin-Besuch ein interessantes kulturell weitgefächertes Programm absolvieren, das eingebettet war in den von unserem Mitglied Dietmar Hecht aus Ahlen organisierten Schüleraustausch Sibiu – Ahlen. Über den Besuch einzelner Jugendlicher bei Familien unserer Gesellschaft in Berlin hinaus fand dieses Projekt seine Fortsetzung in einem Schüleraustausch zwischen der deutschen Abteilung des Cosbuc-Gymnasiums in Klausenburg/Cluj-Napoca und der Ev. Gesamtschule in Berlin-Neukölln. Das Besondere und wohl Einmalige in Deutschland an diesen Besuchen war der Umstand, dass die Teilnehmer Schülerinnen und Schüler aus dem 5.und 6. Schuljahr waren. Befürchtungen, sie seien für eine solch weite Reise zu jung, erwiesen sich als nicht zutreffend – im Gegenteil! Die geplanten Ziele dieses Projektes, nämlich Abbau von gegenseitigen Vorurteilen (übrigens auch in den jeweiligen Gastfamilien und deren Freunden und Bekannten), Kennenlernen der jeweils anderen Lebens und Schulwelt und der Aufbau von Verständnis und Toleranz wurden weitgehend erreicht, wie die gute Resonanz aus den Schulen und Familien und auch aus Medienberichten gezeigt hat. Das ermutigt uns, dieses Projekt als ständige Einrichtung zu installieren. In diesem Zusammenhang sei die hervorragende Zusammenarbeit mit der Schulleitung. dem Lehrerkollegium und der Elternschaft der Ev. Schule Neukölln besonders hervorgehoben.

Wie schon aus den bisherigen Ausführungen entnommen werden kann, ist das Wirken der DRG von Anfang an gekennzeichnet durch eine möglichst konkrete Umsetzung von Ideen und Plänen in praktisch funktionierende Projekte, ohne dass dabei Informationen, Diskussionen und theoretische Auseinandersetzungen vernachlässigt werden. Da die wichtigsten Projekte in diesem Jubiläumsheft gesondert beschrieben werden, kann in diesem Überblick über die ersten 10 Jahre eine kurze Erwähnung genügen, die in etwa dem  historischen Ablauf folgt

Noch im gleichen Jahr begannen die Vorbereitungen für das sog. Handwerkerprojekt. Aus der Erfahrung heraus, dass rumänische Handwerker noch nicht auf dem Niveau ihrer westeuropäischen Kollegen arbeiten und geleitet von der Vorstellung, dass diese möglichst rasch in die Lage versetzt werden sollen, ihre Ausbildungs- und Fertigkeitsdefizite im Hinblick auf den Beitritt zur EU aufzuholen und auf dem Standard deutscher Firmen in Rumänien zu arbeiten, hat die DRG dieses Projekt zunächst als Pilotprojekt initiiert. In Zusammenarbeit mit der Rumänisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft und der Technischen Universität Cluj-Napoca wurden erfahrene Handwerksmeister oder –gesellen mit bester rumänischer Qualifikation und ausreichenden Deutschkenntnissen, die sich für das Projekt beworben haben, ausgewählt und für 6 Monate in Berliner Handwerksbetrieben, die in Kooperation mit der Handwerkskammer Berlin ausgesucht worden waren,  zur Weiterbildung eingestellt mit dem Ziel, auf der Grundlage ihrer Ausbildung und ihres Könnens deutsches Know-how zu erlernen. Nach ihrer erfolgreich abgeschlossenen Weiterbildung kehrten die ausgesuchten Handwerker nach Rumänien zurück in ihre Betriebe und wirkten dort als Multiplikatoren und Werber für deutsche Qualitätsarbeit. Die qualifizierten rumänischen Handwerker wurden in den Berliner Betrieben auf der Grundlage eines detaillierten Weiterbildungsvertrags eingestellt, der auch die Lohngruppe und die Höhe der Entlohnung enthält. Die DRG als Trägerin des Projekts übernahm durch ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter u.a, besonders die Verantwortung für die Wohnraum-beschaffung, die Betreuung in der ungewohnten Umgebung, die Beratung in allen Lebensumständen und die Weiterbildung der sprachlichen Kompetenz.

Nach der gelungenen Pilotphase wurde das Handwerkerprojekt als wichtiger Bestandteil der Kultur-Arbeit fest eingerichtet. Jedes Jahr können bis zu vier Handwerker nach Berlin kommen, um an dieser Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen. In jüngster Zeit hat es allerdings große Schwierigkeiten mit der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn gegeben. Fast unüberwindbar scheinende bürokratische Hindernisse haben ausgerechnet im Jubiläums zum Stillstand dieses einmaligen Projekts geführt. Wir hoffen, dass durch die Neuorientierung der Arbeitsverwaltung eine Wiederaufnahme möglich wird. (Vgl. den Bericht auf S.   )

Die Verbindung nach Klausenburg gestaltete sich im Laufe der Jahre immer intensiver, und fand ihren Ausdruck auf vier besonders hervorzuhebenden Gebieten:

Erstens sei die Förderung des Lehrstuhls für deutsche Sprache und Literatur an der Babes-Bolyai-Universität genannt. Sowohl materiell durch Bücher, Lehrmaterial und Geld wie auch personell durch Lehrtätigkeit von Mitgliedern und eine regelmäßige Gastdozentur konnte die Arbeit des-Lehrstuhls unterstützt werden. Die Studierenden griffen mit großem Eifer und Erfolg die mit modernen Unterrichtsmethoden dargebotenen Angebote des Gastdozenten auf. Im letzten Jahr konnte diese Förderung nicht in gewohntem Masse stattfinden, da Herr Siebold durch einen Unfall in Klausenburg und eine sich länger hinziehende Erkrankung gehindert war (Vgl. dazu S...)

Zweitens ist das Stipendienprojekt zu nennen, in dessen Rahmen jedes Jahr bis zu vier Studierende der Universität Klausenburg die Möglichkeit bekommen haben, für jeweils ein Semester an den Berliner Hochschulen zu studieren. Dieses Projekt hat eine stürmische Entwicklung gehabt: Die äußerst erfolgreiche Pilotphase konnte aus finanziellen Gründen nur dann in ein dauerhaftes Stadium überführt werden, wenn ein verlässlicher Sponsor gefunden würde. Dieser konnte in der Person von Klaus Steilmann gewonnen werden, einem der bedeutendsten Textilfabrikanten Deutschlands, der in dieser Eigenschaft und als Mäzen in Rumänien sehr bekannt ist. Ihm zu Ehren erhielt das Projekt seinen Namen; „Steilmann-Stipendium“. Leider trat Herr Steilmann nach Aufgabe seiner Führungsrolle in seinem Unternehmen 1999 von seiner Sponsorschaft zurück. Dadurch hätte dieses wichtige Instrument der kulturellen Förderung des Landes durch die DRG aufgegeben werden müssen, wären nicht nach einem flammenden Aufruf des Vorstandes etliche Mitglieder mit Sonderzahlungen in die Bresche gesprungen. So konnte nun, wenn auch in geringerem Maße unter dem neuen Namen „DRG-Stipendium“ die Arbeit fortgesetzt werden. Die  Abschlussberichte der Stipendiaten, ausschließlich aus dem Kreis von Hochbegabten und sozial Schwachen ausgewählt, zeigen übereinstimmend

die große Bedeutung, die dieses Studienhalbjahr für ihr Studium, ja für ihr ganzes Leben  gehabt hat. Das bestärkt uns in unserem Bemühen, trotz größter finanziellen Inanspruchnahme daran festzuhalten. Viele „kleine“ Sponsoren – alle aus dem Kreis unserer Mitglieder – sind nun die Garanten für die Fortführung und werden es hoffentlich auch für die Zukunft bleiben.

(Vgl. dazu S....)

In diesen Zusammenhang gehört auch die Einrichtung eines Bildungszentrums in Binzenz, wo Wochenendseminare und Workshops durchgeführt werden können. In einer verlassenen, aber immer noch gut gepflegten Kirche ist das Kirchenschiff vom Altarraum durch eine Flügeltür abzutrennen, so dass ein sehr eigenartiger und spannungsvoller Seminarraum entsteht. Die wenigen deutschen Familien, die noch in Aurel Vlaicu leben, haben die Seminarteilnehmer in ihre Häuser aufgenommen. Das war für viele Klausenburger Großstädter die bisher erste und einzige Begegnung mit Siebenbürger Sachsen. Das gab interessante Gespräche in deutscher Sprache mit rumänischen Staatsbürgern aus zwei Ethnien. Als Ausgleich für die finanzielle Förderung des Kirchenerhalts hat der Vorstand durch Präsident und Schatzmeister das Recht ausgehandelt, dort solche Seminare und Workshops abhalten zu können. Leider haben die rumänischen Dozenten des Lehrstuhls das Angebot bisher nicht genutzt, die drei sehr erfolgreichen Wochenend-Seminare wurden von den deutschen Gastdozenten dort abgehalten. 

Drittens sei das Förderprojekt Musiklyzeum Klausenburg erwähnt. Jedes Studienjahr erhalten zwei hochbegabte Schülerinnen oder Schüler, deren Eltern nur über ein geringes Einkommen verfügen, ein kleines Stipendium, das sie in die Lage versetzt, an wichtigen europäischen Wettbewerben teilzunehmen. Konzertante Aufführungen der Bewerberinnen und Bewerber in der schönen gotischen Aula zeugen von der hohen Qualität der Ausbildung der Schule und sind den Teilnehmern der Studienreisen und den Juroren für die Auswahl in bester Erinnerung.(Vgl. dazu S....)

Viertens spielt die Gründung der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft, Sektion Klausenburg für die Beziehungen zwischen Berlin und Klausenburg eine wichtige Rolle. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen und aus der Erkenntnis heraus, dass für eine intensive Verbindung gleichgesinnte Gesprächspartner auf beiden Seiten nötig sind, wurde diese Sektion am 2. Dezember 1999 im Tagungsraum des Demokratischen Forums der Deutschen unter großer Anteilnahme vieler wichtiger Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft ins Leben gerufen. Fast alle Anwesenden erklärten schriftlich ihren Beitritt und brachten  damit zum Ausdruck, wie wichtig und nötig diese Gründung war. Aus diesem Kreis wurde der Vorstand gewählt: Frau Professor Elena Viorel wird zur 1.Vorsitzenden, Herr Professor Gheorghe Micula zum Stellvertreter, Frau Muresan, Professorin an der Ökonomischen Fakultät, zur Schatzmeisterin, Stellvertreter Herr Schiau, und Frau Nemes, ebenfalls Lehrerin an der Ökonomischen Fakultät,  zur Schriftführerin, Stellvertreterin Frau Mirela Pop, gewählt. In den Beirat wurden Herr Professor A. Biro als Verbindungsmann zur Muttergesellschaft, Frau Mirela Pop als Verantwortliche für die Kulturarbeit  und Frau Alina Banu als Öffentlichkeitsreferentin gewählt. In intensiver Beratung wurden auf dieser Gründungssitzung die bereits auf der 1. Vorbereitungsversammlung im Mai 1999 angedachten Pläne einer Verwirklichung nahe gebracht (Vgl. dazu S....)

Mit der Einrichtung eines Theaterprojekts 1997 wurden lang gehegte Überlegungen Realität. Unser Mitglied, der hochtalentierte Regisseur Karl Linfert aus Bochum und der Schweizer Bühnenbildner Herbert Utiger brachten als erstes Bühnenstück nach nur 14-tägiger Erarbeitungszeit mit Germanistik- Studierenden der Babes-Bolyai-Universität Büchners „Leonce und Lena“ auf die Bühne. Diese Aufführung wurde von den in großer Zahl erschienenen Zuschauern begeistert aufgenommen. Bereitschaft und Freude am eigenen Theaterspiel zu entdecken, Theaterspielen als persönlichkeits-stärkendes und kommunikationsförderndes künstlerisches Medium zu erfahren und die künstlerische Inszenierung gemeinsam zu entwickeln, und das in deutscher Sprache - das waren die Ziele dieses  Projekts. Sie wurden  so gut erreicht, dass seine Fortführung jedes weitere Jahr neue Aufführungen brachte; zuletzt so gar in Berlin und Bochum.

In diesem Zusammenhang muss dankbar der Unterstützung durch die „Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Würtemberg“, der „Robert-Bosch-Stiftung“ und „Jugend für Europa“ gedacht werden. Ohne die finanzielle Förderung hätten diese anspruchsvollen Arbeiten trotz allen ehrenamtlichen Engagements nicht durchgeführt werden können. (Vgl.S....)  

Die Absicht, in Sprachkursen für Rumänisch das Interesse am Erlernen dieser schönen romanischen Sprache zu befriedigen, zieht sich von der Gründung der DRG bis heute über sporadische Versuche  hin zur festen Einrichtung  durch die Arbeit. Drei Mitglieder, Dr. Larisa Schippel, Ecaterina-Luise von Simons und Marlen Marten, lehren Rumänisch für Anfänger und Fortgeschrittene: ihr Unterricht erfreut sich regen Zuspruchs.      

Als ein besonders wichtiges Projekt wurde im Jahre 1998 die Herausgabe der Deutsch-Rumänischen Hefte initiiert. Nach langen und sorgfältigen Vorbereitungen erschien im Frühjahr die erste Ausgabe mit einer Auflage von 1200 Stück. Die Redaktion, bestehend aus unseren Mitgliedern Alexander und Gabriela Roth, Axel Bormann, Daniela Burtea, Alexandra Burtea  und Valeriu Mutruc, hatten sich anspruchsvolle Ziele gesteckt: Einerseits Informationen über Geschichte und Kultur Rumäniens und über Hintergründe des politischen und sozialen Lebens dort anzusprechen, andererseits Berichte vom Stand der Arbeit unserer Gesellschaft und auch Nachrichten von in anderen Regionen wirkenden Deutsch-Rumänischen Gesellschaften  zu geben; dazu Adressen, Termine und Tipps. Die durchgehend sehr gute Resonanz aus der Öffentlichkeit war und ist die Bestätigung, mit dieser bis zu viermal im Jahr erscheinenden Fachzeitschrift ein reges, hoffentlich wachsendes Interesse an Rumänien in Deutschland zu stillen. Im Frühjahr dieses Jahres erschien im Jahrgang V ein Doppelheft aus der Redaktion Axel Bormann (Chefredakteur), Friederike Binder, Marlen Martin und E. Luise von Simons. Das jetzt vorliegende Heft – die Jubiläumsausgabe zum 10-jährigen Bestehen – gibt Bericht und  Rechenschaft von der von 1992 bis heute geleisteten Arbeit.

Dieses bedeutsame und anspruchsvolle Organ der Öffentlichkeitsarbeit unserer Gesellschaft konnte nur erscheinen, weil die „Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg“ die hohen Druck-und Versandkosten mit erheblichen Beträgen förderte. Es ist die erklärte Absicht der DRG, diese Arbeit koste es was es wolle fortzusetzen. Wir hoffen auf weitere Unterstützung!

Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, die mit Rumänien zu tun haben, war von Anfang an ein Anliegen der Gesellschaft. Mit der „VAR Vereingte Aktion Rumänien“ verbinden uns, wie bereits oben erwähnt, auch enge persönliche Bande. Mit der „Deutsch-Rumänischen Gesellschaft für Norddeutschland“ gestaltete sich nach  gegenseitigen Besuchen 1993 und 94  die Kooperation besonders eng durch gegenseitige Mitgliedschaft in beiden Gesellschaften, ständigen Kontakt und Austausch von Referenten u.a.  Unser Bemühen, möglichst alle Gesellschaften in einem Dachverband zu integrieren und dadurch die Arbeit für Rumänien zu intensivieren, wurde im Jahr 2000 durch die Gründung des „Deutsch-Rumänischen Forums“ aufgegriffen. Unsere Mitarbeit in diesem Forum, dessen tatkräftige Vorsitzende Frau Susanne Kastner MdB ist, kommt nicht nur in unserer Mitgliedschaft zum Ausdruck, sondern auch in der Bereitschaft, dass der Präsident der DRG als Kuratoriumsmitglied tätig ist.

Besonders erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang das immer enger gewordene Verhältnis zum 1998  gegründeten „Rumänischen Kulturinstitut Titu Maiorescu“ in der Königsallee 20 in Grunewald mit seiner engagierten Leiterin Ruxandra Demetrescu. Nicht nur, dass wir dort eine ständige Bleibe für unsere Mitgliederversammlungen gefunden haben (mit schmackhaftem rumänischen Essen und Trinken übrigens); wir veranstalten auch gemeinsam kulturelle Veranstaltungen  von hohem Rang, die sich lebhaften Zuspruchs auch unserer Mitglieder erfreuen.  Gegen Ende 2001 wurde eine neue gemeinsame Veranstaltungsreihe unter dem Titel “Deutsch-Rumänische Begegnungen“ ins Leben gerufen, in deren Rahmen ein Konzert, eine Ausstellung und zwei Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen auf reges Interesse stießen. In den Räumen des Instituts fand auch das erstmals  2001 durchgeführte Sommerfest der DRG statt, das wegen seiner Akzeptanz künftig einen festen Platz in unserem Programm einnehmen soll.              

Last but not least soll hier auch die Tätigkeit der DRG als Anlaufstelle für  Informationen aller Art genannt werden, die weniger spektakulär ist, aber vielleicht ebensoviel Arbeit beansprucht wie die Durchführung größerer Projekte und vielleicht ebensoviel zur Erfüllung der Vereinszwecke beiträgt. Die fast täglich eingehenden Anfragen betreffen u.a. Reisen nach Rumänien oder Arbeiten in Rumänien oder Deutschland, die Kontaktaufnahme zu Rumänien-Experten, Fragen nach Lebens- und/oder Geschäftsbedingungen

hier und dort,  Angebote verschiedenster Firmen und nicht zuletzt Informationswünsche nach der Tätigkeit unserer Gesellschaft. Die meisten dieser Anfragen konnten wir entweder selbst beantworten oder an geeignete Fachleute weiterleiten und auch so die Beziehungen zwischen Deutschen und Rumänen erfolgreich fördern.

Im Rückblick auf die ersten 10 Jahre konnte in diesem Bericht  auf eine stetige Weiterentwicklung der Gesellschaft von relativ kleinen Anfängen zu beachtlichem Umfang berichtet werden. Etwa 150 Mitglieder, davon 35 in der Sektion Klausenburg, tragen diese Arbeit. Aber nicht nur die Zahl der Mitglieder, vielmehr der hohe Grad des Engagements und der Aktivität vieler Mitglieder, besonders natürlich des Vorstands bildet den Grund für diese Entwicklung. Sie alle und darüber hinaus auch Freunde der Gesellschaft, die noch nicht Mitglieder sind, haben durch große persönliche Mitarbeit und die Bereitschaft zu Spenden und anderen Hilfen es immer wieder möglich gemacht, dass die Gesellschaft auch ohne hauptamtliche Kräfte und Großsponsoren  solche Leistungen erbringen konnte  Das Mitdenken, dass Mittragen und das Mitzahlen unserer treuen Mitglieder macht die erfolgreiche Arbeit der Gesellschaft aus. Das macht Mut, auf dem Weg der Annäherung Deutschland – Rumänien auch in Zukunft fortzuschreiten, ein Weg, der gerade im Hinblick auf die Osterweiterung der EU und den Beitritt Rumäniens in die EU bedeutsam ist.