TÄTIGKEITSBERICHT FÜR DAS JAHR 2006

Im Berichtsjahr 2006 sind folgende Arbeitsbereiche der DRG fortgeführt worden:

1. Jour fixe mit Kurzreferaten und Diskussion
2. Veranstaltungen im Rumänischen Kulturinstitut und an anderen Orten.
3. Deutsch-Rumänische Hefte
4. Kleinstipendien
5. Studentenunterstützung

Im Laufe des Jahres 2006 haben sechs Vorstandssitzungen stattgefunden. In der Mitglie-derversammlung am 19.Mai ist nach Ausscheiden durch Umzug ins Ausland von Frau Tina Olteanu und Herrn Markus Bauer als Schriftführer Herr Florin Popescu und als weiteres Vorstandsmitglied Frau Dr. Iona Scherf bis zum Ende der laufenden Wahlperiode neu gewählt worden.

Im August fand in Schwerin das diesjährige Treffen mit dem Vorstand der DRG Hamburg statt, bei dem erneut ein Hefteaustausch der Gesellschaften verabredet wurde. Unser Gast und Klein-stipendiat Andrei Ciobanu, Schüler des Musiklyzeums Klausenburg, hat mit seinem Geigenspiel (E-nescu und Saint Saens aber auch rumänische und ungarische Volkslieder) begeisterten Applaus er-halten.

1. Jour fixe – Veranstaltungen
Im Januar 2006 berichtete der Journalist Keno Verseck zum Thema „Arbeitsmigra-tion und Menschenhandel in der Republik Moldau”. Der Vortrag beruhte auf einer im März 2005 entstandenen Reportage für Deutschlandfunk und FAZ.

Im März 06 hielt der Historiker Georg Herbstritt, wiss. Mitarbeiter bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, einen Vortrag zum Thema „Die DDR-Staatssicherheit und Rumänien - Aktenfunde in der „Gauck-Behörde“. Der Vortrag vermittelte einen guten Einblick in die Zusammenarbeit Stasi – Securitate, in IM-Berichte aus Rumänien und Sta-sianalysen der dortigen Lage. - Im Herbst 2005 ist das Buch „Stasi si Securitatea“, das Herbstritt ge-meinsam mit dem Stejarel Olaru verfasst hat, in Rumänien erschienen. Die deutsche Ausgabe folgt.

Im Mai hat Dr. Hanna Nogossek, Direktorin des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam, die Arbeit Ihres Instituts vorgestellt: Im Dialog mit Partnern aus Mittel- und Osteuropa will das Kulturforum die Geschichte dieser Regionen, in denen viele Deutsche gelebt haben und in sehr viel geringerer Zahl noch heute leben, als verbindendes Erbe der Deutschen und ihrer östlichen Nachbarn einem breiten Publikum anschaulich vermitteln. Schwerpunkt des Vortrags waren die ver-schiedenen Regionen Rumäniens.

Im September berichtete Daniela Boltres, Vorsitzende von CORONA e.V. Berlin zum The-ma: “Wiederbelebung einer siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburg. Konzepte zur nachhalti-gen Entwicklung im Dorf Trappold/Apold und im Harbachtal/Valea Hârtibaciului.“ Dabei lege ihr Verein besonders Augenmerk auf die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung und Weiterbildung von Handwerkern aus der Region in traditionellen Arbeitstechniken sowie auf die Entwicklung von nach-haltigen regionalen Tourismusstrategien und Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Kindern.

Im November gab Dr. Tatiana Burghenn-Arsénie eine Einführung in die rumänische sak-rale Malerei und zeigte eine Auswahl ihrer Bilder, die sich den strengen Regeln der sakralen Hinter-glas- und byzantinischen Malerei unterwerfen.

2. Veranstaltungen im Rumänischen Kulturinstitut und an anderen Orten
Im Januar hat in einer Vortragsveranstaltung mit Diskussion im Kulturinstitut Prof. Dr. Wilfried Heller, Universitätsprofessor im Institut für Geographie der Universität Potsdam, zum Thema: Demographie, Migration und räumliche Entwicklung - Rumänien, quo vadis? eine sehr nachdenkens-werte Analyse vorgetragen, Teil einer späteren Veröffentlichung. Die demographische Entwicklung in Rumänien bedrohe - wie auch in den meisten anderen Staaten Europas - mittel- und langfristig die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt des Landes. Dabei sei nicht die zu erwartende Reduzierung der absoluten Einwohnerzahl, sondern die Veränderungen der demographischen Struktur das Problem, nämlich ein weiterer Abbau der Anteile der jungen Bevölkerungsgruppen.
Im März 06 hat am selben Ort eine Buchpräsentation stattgefunden: Dieter Schlesak "Zeugen an der Grenze unserer Vorstellung"- Studien, Essays, Portraits, München, 2005. Dr. Stefan Sienerth hat im Gespräch mit dem Autor kenntnisreich und behutsam in dieses Werk und zugleich in die Biographie des Autors und die Vielseitigkeit seines dichterischen Schaffens eingeführt. Dabei hat Schlesak immer wieder eigene Texte zitiert. Schlesak, 1934 in Siebenbürgen geboren, ist ein bekann-ter rumänien-deutscher Lyriker, Essayist, Romancier, Publizist und Übersetzer. Nach einer Lesereise in die Bundesrepublik blieb er 1969 im „Land seiner Sprache“ und lebt seit 1973 in der Toskana und in Stuttgart. Exil und Welt-Wechsel, Kulturschock und Landesverlust, das Leben als "Zwischenschaftler" in drei Ländern und das Trauma zweier Diktaturen, der braunen und der roten sind die teilweise be-drückenden Themen seiner Bücher, die ihm jedoch „zum Überleben halfen“.

Im April 06 hielt die Historikerin Dr. Edda Binder, Heidelberg, einen Vortag zum Thema „Die Monarchie in Rumänien - zur europäischen Einordnung einer südosteuropäischen Institution“. Forschungsschwerpunkte der Referentin sind Institutionen-, Monarchie- und Verfassungsgeschichte in Südosteuropa mit Hauptaugenmerk auf Rumänien. Der europäische Einordnung des Themas war außerordentlich eindrucksvoll. Frau Dr. Binder ist Vorsitzende des „Vereins für Zusammenarbeit mit Osteuropa (Ost-West-Club)“, Heidelberg, ein Zeichen ihrer engagierten völkerverbindenden Arbeit.

Im Juli 2006 fand in der Marheineke-Markthalle in Kreuzberg eine beeindruckende Fotoaus-stellung „Mehr wie zum Leben braucht man nicht“ unseres Mitglieds Klaus Lückert statt. Die Aufnahmen sind entstanden, als der Ethnologe Lückert 1994/95 zu Feldforschungen die ländlichen Regionen Siebenbürgens bereist hat. Als eine Art Kontrastprogramm zu den Bildern der heutigen Medienwelt sind vor allem Portraits siebenbürgischer Frauen im Alltag zu sehen.

Im August hat das Duo Ciobanu (Klausenburg) Andrei und Raluca Ciobanu, Violi-ne/Klavier, beide ehemalige Kleinstipendiaten der DRG, ein wunderbares Konzert in einer Kirche gespielt. Das Programm mit Mozart, Enescu, Tschaikowsky, Saint-Saens, und Bartok fand begeis-terte Zuhörer.

Im Oktober 2006 las die Autorin Astrid Bartel auf Vermittlung der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft im Rumänischen Kulturinstitut aus ihrem Buch Das Mädchen von der Quelle – Siebenbürgische Geschichten um Roma und Sinti, Hora Verlag,2005. Die Begegnungen mit Roma-Familien, die Reisen nach Rumänien vor 1989 und die Kindheitserinnerungen der Autorin verarbeitet Astrid Bartel in ihrem Buch. Das Buch der Autorin kann dazu beitragen, weit verbreitete Klischees über Zigeuner etwas zurechtzurücken. Nach einer kurzen Pause gab das Duo Romenca mit Dejan Jovanovic (Akkordeon) und Oana Kitzu (Gesang), stets auf der Suche nach alten, mündlich überlie-ferten Roma- und Sinti-Liedern, eine hinreißende Vorstellung.

Im September 2006 konnten wir in der Humboldt-Universität Dr. Johann Böhm zu seinem Vortrag „Phasen der Ideologisierung. Zur politisch-sozialen Entwicklung der deutschen Minder-heit in Rumänien von 1932-1945" begrüßen. Böhm hat sich als Historiker mit Publikationen über die Beziehungen der deutschen Minderheit in Rumänien zu Nazi-Deutschland einen Namen gemacht hat. Durch den Vortrag und die von Wiliam Totok moderierte Diskussion entstand ein differenziertes Bild über die Nazibewegung in der deutschen Bevölkerung in Rumänien.

3. Deutsch - Rumänische Hefte
In 2006 ist wieder ein neues Heft erschienen. Die DRG versucht, mit diesen Heften - ebenso wie mit der Homepage, www.deruge.org, die aktuelle Nachrichten aus Rumänien bietet - eine brei-tere Öffentlichkeit zu erreichen. Auch die vorangehenden Hefte sind dort online gestellt.

4. Kleinstipendien
Die Anzahl der Kleinstipendien für Schüler des Musiklyceum in Cluj ist in 2006 wieder auf zwei zu je 300 € reduziert worden.

5. Studentenunterstützung
Seit dem WS 2004/5 beschränken wir uns auf Unterstützung und Betreuung von Erasmusstu-denten aus Rumänien, die dankenswerterweise weiter Gäste bei unserem Mitglied Ingrid Lorenz und bei Familie Tischer waren und sind.

Der Mitgliederstand ist 2006 leider rückläufig, er betrug Anfang 2006 noch 115 und ist Ende 2006 auf 105 Mitglieder gesunken.

Berlin, im Mai 2007 Janna Jähnig, Vizepräsidentin