Fürstin Bibescu – Zwischen Literatur und Politik

Nach dem Ende der kommunistischen Parteidiktatur entdeckte die rumänische Gesellschaft allmählich die Vergangenheit des Landes wieder neu. Zu dieser Geschichte gehört auch die Teilnahme des rumänischen Adels an der europäischen Adelsgesellschaft. Wiewohl vielfach aus nostalgisch-verklärender Absicht genährt bietet dieses Thema nüchtern betrachtet überraschende Einsichten in die europäische Vernetzung der rumänischen Welt vor und nach dem Ersten Weltkrieg.
In dieser Hinsicht lassen sich an Biographie und literarischem Werk der Fürstin Marthe Bibescu, geb. Lahovary faszinierende neue Einblicke in europäische Netzwerke der rumänischen Kultur und Politik durch die Hocharistokratie gewinnen. Die Fürstin Bibescu trat mit Romanen und Essays hervor, die u.a. ihre Bekanntschaft mit Marcel Proust darstellten. Das Besondere ist in diesem Fall aber über ihre literarischen Aktivitäten hinaus das ausgesprochene Interesse der Fürstin an Politik und Diplomatie, dem sie durch ihre privaten Bekannt- und Liebschaften nachgehen konnte. Sie hatte exklusiven Zugang zu Akteuren wie Ramsay MacDonald, Winston Churchill, Alfonso XIII, Lord Cardington, Kronprinz Friedrich u.v.a., die sie zu einer der bestinformierten Frauen der europäischen Politik machten. Im Zweiten Weltkrieg nutzte sie ihre Verbindungen, um für die Alliierten gegen das kriegführende Antonescu-Regime zu arbeiten.
Referent: Dr. Markus Bauer studierte Germanistik und Geschichte in Passau und Marburg. Um die Jahrtausendwende war er fünf Jahre lang Lektor des DAAD an der Universität Al. I. Cuza in Iași. Seither resultierten zahlreiche Artikel, Aufsätze und einige Bücher mit rumänischen Themen aus der Beschäftigung mit Kultur, Geschichte und Politik des Karpatenlandes.
Moderation: Christof Kaiser, DRG
Anmeldung: Bitte bis 16.09.2026 anmelden unter: anmeldung@deruge.org
